04.07.1998 Kölner Stadtanzeiger

Hans Werner Thurmann – Freischaffender Maler

 Pressespiegel 

Das schrieb der Kölner Stadt-Anzeiger am 4. Juni 1998 über Thurmanns Ausstellung im Forum Seitenfoyer in Leverkusen:

Einfach hineinschlüpfen

Thurmann zeigt
Farbkompositionen
im Forum-Foyer
und bietet dem
Betrachter Gefühle

Von Klaus Winterberg

,,Natur als Farberlebnis” – Dämmerung. Ein heller Tag verabschiedet sich mit warm verlöschenden Farben und übergibt die weite Landschaft an die Nacht. Die irisierende Stimmung, die eine versunkene Sonne hinterlassen hat, geht in ein zunehmend dunkles Nachtblau über. Am Horizont verschwimmen die Konturen einer Stadt. Einer Stadt? Ja: ,,Blick auf Hüls” nennt Hans Werner Thurmann sein Werk, das er mit 30 anderen seiner Bilder im Seitenfoyer des Forums zeigt – bis zum 23. Juni. Der Landschaftsmaler vom Niederrhein präsentiert Ausschnitte aus seinem Schaffen von 1993 bis 1996. Thurmann beschäftigt sich seit 1978 mit dem Beginn seiner Arbeit als freischaffender Maler mit der Landschaft: durchaus gegenständlich, durchaus “gegen den Trend”. Für ihn findet das Phänomen Farbe in der Natur seine vielfältigsten Entsprechungen. Und damit auch Auslösung von Gefühlen. Sein Anliegen ist es, die Umsetzung seiner Wahrnehmungen so zu gestalten, daß der Betrachter seiner Bilder sie mit seiner eigenen Naturerfahrung vergleichen kann: bejahend, ablehnend oder einfach lernend. Um die emotionale Wirkungen seiner Landschaften zu verstärken, überhöht oder reduziert Thurmann die Farben. Er komponiert seine Bilder nach Skizzen und Notizen im Atelier – nur mit Spektralfarben. Und er deutet Details höchstens an, läßt Konturen zerfließen, kennt nur weiche Übergänge. Seine Maltechnik tut dazu ein Übriges: Die Ölbilder gleichen eher Aquarellen oder Pastellen, ohne Firnis, fein lasiert. Thurmann hat die, nach Claude Monets Tod abgerissene, Tradition der Naturmalerei wieder aufgenommen, weigert sich aber, als ,,Spät-Impressionist” bezeichnet zu werden. Zu Recht, wie seine Bilder bestätigen. Natürlich wirkt vieles vertraut, aber es sind wohl nicht so sehr Stilelemente (“Gegenlicht am Hahnenberg”, “Kuhle im Dunst”) als es vielmehr das Thema selbst ist: die Natur. Bei näherem Hinsehen stellt man fest, daß durchaus Neues entstanden ist. Eine “Gewitterfront”, eine “Rheinlandschaft” oder eine “Landschaft bei Kerken” überzeugen durch Farb- und Bildkomposition vom Anliegen des Malers. Sie laden zum Erinnern ein: an persönlich Erlebtes, an Naturerfahrungen, an Stimmungen. Es sind Bilder zum “Nachfühlen” und nicht zum “Nachdenken”. Ohne Unbehagen oder Schrecken oder gar Ratlosigkeit zu provozieren. Sympathische Spuren eines Künstlers.

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